23. Januar 2012
Ein marokkanischer Privatdozent wartet seit Jahren auf seine Ernennung zum Professor. Irgendwie will die Sache nicht vorangehen. A. vermutet, dass seine regimekritische Haltung die Ursache ist.

Eines Tages erhält er Besuch von zwei Herren in zivil. Es handelt sich, wie er schon bald erfährt, um Funktionäre des Inlandgeheimdienstes. Sie sind sehr höflich. Und sie geben ihm klar zu verstehen, dass seiner Beförderung nichts mehr im Wege steht. Unter zwei Bedingungen: A. hat in Zukunft jede kritische Äusserungen über den Monarchen und über die Zukunft der Westsahara zu unterlassen.

A. willigt ein; er hatte diesen Deal erwartet. Die Herren verabschieden sich. Wenig später wird A. zum ordentlichen Professor ernannt.

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11. Dezember 2011

Sidi Bouzid, 11. Dezember 2011. Am Ort, an dem sich Mohamed Bouazizi mit Benzin übergossen hat, begehen ein paar junge Männer einen Hungerstreik. Sie sind seit mehr als sechs Jahren arbeitslos.

25. November 2011

Wahlen in Marokko.

Die Wochenzeitung “TelQuel” schreibt: “(…) La belle image du royaume contraste fortement avec la réalité inquiète et tourmentée qui est la nôtre. La vérité, c’est que la bienveillance de l’occident a des accents de complaisance.” (Editorial TelQuel, 26.11.2011)

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Tunis, 15.10.2011 ©Beat Stauffer

24. Oktober 2011

Ibrahim berichtet voller Begeisterung von einer Veranstaltung der Ennahda im Fussballstadium der Stadt Ben Arous. Rund 30’000 Menschen seien gekommen, alles sei friedlich verlaufen. I. hat selber Sympathien für die Nahda-Partei und hofft auf ihren Wahlsieg. Morgen Dienstag sollen die Resultate der Wahlen offiziell bekannt gegeben werden.

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23. Oktober 2011

Mohamed T. ist gegenüber der Ennahda immer noch skeptisch. Sein Misstrauen ist offenbar abgrundtief. Ennahda an einem demokratischen Prozess zu beteiligen, das sei dasselbe wie einen Wolf in eine Gehege mit Schafen zu lassen, meint er. – Vom Ablauf der Wahlen ist er aber hoch erfreut, und auch sein 13-jähriger Sohn übt mittlerweile die Landeshymne auf der elektrischen Gitarre.

15. Oktober 2011

Auf der Avenue Habib Bourguiba sind zahlreiche Menschen in Rollstühlen zu sehen. Es sind offenbar grösstenteils Libyer, die in tunesischen Kliniken behandelt werden. Wie sie wohl die lebensfreudige tunesische Hauptstadt erleben nach den monatelangen Kämpfen in ihrer Heimat?

Aus den Fenstern des grossen Hotels Hana International hängt eine Flagge der Rebellen. Sind sie dort einquartiert?  Glück im Unglück für das Hotel, das sonst seine Tore schliessen müsste; die libyschen Patienten und geflüchteten Anhänger der Oberschicht ersetzen, zumindest teilweise, die Touristen.

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Ben Ali-Graffito an einer Hauswand in Tunis, 14.10.2011 ©Beat Stauffer

13. Oktober 2011

Fahrt mit Ibrahim in die Vorstadt Ettadhamen. Das „quartier chaud“, wo die ersten Aufstände in der Region stattgefunden haben in der zweiten Januarwoche 2011, in der Ben Ali schliesslich flüchtete. Eine Vorstadt, in der rund 500’000 Menschen leben sollen. Die Vorstadt befindet sich im Nordwesten von Tunis, erschlossen von einer Trambahn und auch von Bussen.

Wir fahren durch die Hauptstrasse von Ettadhamen, die von mehrstöckigen Geschäftshäusern gesäumt ist. Diese Geschäfte, Banken, Apotheken, Restaurants seien fast alle geplündert worden in den Tagen nach der Flucht von Ben Ali, erklärt I. An einigen dieser Gebäude sind noch Brandspuren zu sehen.

In Ettadhamen lässt sich die Temperatur messen, sagt I. Wenn irgendwo soziale Unrast um sich greift, dann kommt es sicher zu Aufständen in diesem Quartier. Ettadhamen sei das grösste „Ghetto“ von Tunis, erklärt später der Rapper Haythem El Mekki. Hier gebe es überdurchschnittliche viele Arbeitslose und bedürftige Menschen aller Art, sagen beide.

Verglichen mit den Banlieues von Rabat, Casablanca oder Tanger sieht Ettadhamen deutlich gepflegter und eindeutig weniger armselig aus. Ich habe allerdings nur die Hauptstrasse gesehen und ein wenig in die seitlichen Strassen blicken können.

Wir durchqueren das gesamte Vorstadtquartier, das allmählich ins hügelige Land übergeht. Die ersten Olivenhaine werden sichtbar. Ausgangs der Stadt in Richtung der alten Hauptstrasse nach Bizerte liegt angeblich das grösste Shoppingcenter des Landes oder gar des gesamten Maghreb. Es wurde im Januar 2011 total geplündert. Vor kurzem öffnete es wieder seine Tore.

„Le Monde“ hat eine Reportage über Ettadhamen publiziert. Angeblich sollen hier die meisten Todesschüsse gefallen sein. Die Menschen des Quartiers sollen angeblich sehr enttäuscht sein über den Gang der Dinge, vor allem diejenigen Familien, die Todesfälle oder verletzte Demonstranten im Zusammenhang mit der Revolution zu beklagen hatten. Sie erachten die Entschädigungen, die sie erhalten haben, als viel zu bescheiden. Die Situation im Alltag hat sich für diese jungen Menschen offenbar kaum oder gar nicht geändert. Ettadhamen soll auch eine Hochburg der Nahda-Partei sein.

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12. Oktober 2011

Bizerte, Tunesien. Nach der Wahlveranstaltung der Gruppierung „Alliance Democratique“ mit dem Islamisten Abdelfattah Mourou als Zugpferd, einem würdigen, älteren Mann, der über ein grosses Rednertalent verfügt, kommt ein Mann mittleren Alters auf mich zu. Ob ich der Schweizer Journalist sei, von dem Mourou gesprochen habe. Der Mann gibt sich als Anhänger der verbotenen Partei Hizb at-tahrir zu erkennen. Diese wollen das Kalifat wieder einführen und eine echt islamische Gesellschaft gründen.

Für Mourou und seine Mitstreiter hat der Mann, der nach eigenen Aussagen als Techniker arbeitet, nur Hohn und Spott übrig. Das habe mit einem echt islamischen Projekt nicht mehr viel zu tun. Es fallen Stichworte wie „Islam light“. Es werde im Maghreb weitere Aufstände geben; dies sei nur eine Frage der Zeit.

Dies deckt sich mit der Beobachtung der Universitätslehrerin Amel Grami, dass Ghannouchi, der Führer der islamistischen Partei Ennahda, nach einem Treffen mit laizistischen Intellektuellen von Salafisten angegriffen worden sei. Er habe unter dem Schutz von Bodyguards weggebracht werden müssen. Auch ein Teil der Basis der Ennahda akzeptiere den modernistischen Kurs des Parteigründers nicht. Andere Beobachter gehen davon aus, dass sich Ennahda aus solchen Gründen spalten könnte.

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10. Oktober 2011

Das forsche Auftreten der Polizei im Stadtzentrum von Tunis erstaunt. Sie haben offenbar wieder Selbstvertrauen gewonnen. Auf der Avenue Habib Bourguiba sieht man immer wieder ganze Trupps von Polizisten in schwarzen Uniformen (Sondereinheiten?), die Runde drehen, in Kastenwagen hingebracht oder weggebracht werden oder auf der Avenue herumstolzieren. Auch die Panzer stehen immer noch dort; vor der französischen Botschaft, vor dem Innenministerium und auch anderswo. Das Innenministerium ist immer noch komplett abgesperrt mit Stacheldraht, und der Verkehr wird umgeleitet. Ist das wirklich notwendig?

Eine tunesische Menschenrechtsorganisation beklagt die Übergriffe der Polizei, welche auch nach der Revolution in fast unverändertem Umfang weitergehen. Es werde weiter gefoltert und misshandelt. Die NGO liefert zahlreiche Belege für diese Aussagen.

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8. Oktober 2011

Per Schiff von Genua nach Tunesien gereist. Verglichen mit einem Flug ist eine derartige Reise ein richtiges Abenteuer – und höchst spannend dazu. Da die Überfahrt 21 Stunden dauert, ist mehr als genug Zeit für Gespräche mit anderen Mitreisenden vorhanden. Habe viel erfahren und noch viel mehr beobachten können an Bord. Die schönste Überraschung waren die Delfine, die dem Schiff südlich von Sardinien während längerer Zeit gefolgt sind – ein fantastisches Schauspiel.

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1. September 2011

Wieder zurück in der Schweiz. Mit viel Glück in zwölf Stunden und mit vier verschiedenen Fahrzeugen von Tripolis nach Zarzis (Tunesien) zurückgefahren. Die Kontrollposten der Rebellen war stets äusserst hilfsbereit, auch wenn die jungen, mit ihren Gewehren herumfuchtelnden Kämpfer auf den ersten Blick oft nicht sehr vertrauenswürdig gewirkt haben. Bin erleichtert; die Situation in Libyen war nur schwer einzuschätzen.

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28. August 2011

Bei der Fahrt durch Aussenquartiere von Tripolis hält mein Fahrer in einer kleinen Seitengasse an. Er verschwindet in einem Haus. In der Zwischenzeit habe ich Zeit, das Leben in der kleinen Strasse zu beobachten. Ich lerne den kleinen “Freiheitskämpfer” kennen, der plötzlich auftritt.

Wenig später erfolgt der Anruf von Schweizer Radio DRS. Da wir uns gerade in einem kleinen Kommandozentrum der Rebellen befinden, das direkt neben einem der Sendemasten von Libya Telecom liegt, ist der Empfang erstaunlich gut.

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27. August 2011

Samstag Abend in Jansour, einer Vorstadt von Tripolis. Auf dem Gelände eines ehemaligen Polizeipostens finden sich ein paar dutzend Männer ein, darunter  Freiheitskämpfer und Jugendliche aus dem Quartier. Nach Wahlen für das Quartierkomitee, das die Sicherheit im Quartier garantieren soll, kommt es zu einem kleinen Fest. Die Begeisterung der jungen Leute über die Vertreibung des Tyrannen ist unbeschreiblich.

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3. August 2011

Am Flughafen Zürich lerne ich einen modisch gekleideten jungen Mann kennen. Er trägt eine Halskette mit dem Emblem der Rebellen von Libyen. Ein modisches Accessoire oder mehr? Es stellt sich heraus: Der Mann ist libysch-schweizerischer Doppelbürger und hat soeben ein paar Tage in Misrata verbracht, der vom Ghadhafi-Regime weitgehend zerstörten Stadt in Libyen. Er ist überzeugt vom Sieg der Rebellen, rechnet aber noch mit einer längeren Durststrecke.

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31. Juli 2011

Mit Amel Grami telefoniert, der mutigen Dozentin und Religionswissenschafterin, die sich seit Jahren für Religionsfreiheit in islamischen Ländern einsetzt. Grami hat vor einigen Tagen Rachid Ghannouchi getroffen, den Chefideologen der islamistischen Partei Ennahda. Zusammen mir einer Handvoll ausgewählter Personen konnte sie Fragen über die Ausrichtung der Ennahda und über deren Ideen für ein postrevolutionäres Tunesien stellen. Sie wollte etwa wissen, wie es Ghannouchi mit der Religionsfreiheit im zukünftigen Tunesien hält. Werden die Rechte von religiösen Minderheiten garantiert sein? Können auch Atheistinnen, Agnostiker, Konvertiten, Schiiten unbehelligt leben? – Ghannouchis Antwort: “Weshalb kümmern Sie sich nicht um die Rechte der Mehrheit?” Grami glaubt nicht, dass Ennahda einen echten Gesinnungswandel durchgemacht hat.

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29. Juli 2011

Tabarka. Heute Morgen beim morgenlichen Schwumm taucht plötzlich eine Frau in einem Burkini und Kopftuch neben mir auf. Eine Wasserschlange im Pool hätte mich kaum mehr erschreckt. Die vollbusige Tschechin fortgeschrittenen Alters,die sich bemüssigt fühlt, ihre Brüste dem Publikum zu präsentieren, setzt dazu wenig später einen harten Kontrapunkt. -

Tabarka, die kleine Stadt unweit der algerischen Grenze. Viele Algerier verbringen hier ihre Sommerferien; in Tunesien lebt es sich einfach besser, Revolutionswirren hin oder her. Dass sich hier Bier und Wein relativ einfach konsumieren lässt, dürfte auch eine gewisse Rolle spielen.

Auch wohlhabende Libyer haben sich in Tabarka eingefunden, gute 800 Kilometer von der libyschen Grenze entfernt. Stimmt es tatsächlich, dass bereits gegen 900’000 Libyer nach Tunesien geflüchtet sind, wie mir Ibrahim O. gestern berichtet hat? Er sollte ein glaubwürdiger Informant sein, hat vor ein paar Wochen mit dem chinesischen TV zusammengearbeitet.

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4. Juni 2011

“Es hat sich nichts geändert“, sagt der ältere Kulturschaffende in seinem Kulturzentrum in Tunis, einem der lebendigsten Orte im Land. A. wirkt resigniert. Zur Illustration berichtet er von einer Beobachtung, die er kürzlich an der Avenue Farhat Hached in Tunis gemacht hat.

Ein älterer Mann verkauft Zigaretten auf einem kleinen Holztablett, das er vor seinem Campingstuhl aufgestellt hat. „Cigarettes en détail“, wie dies üblich ist in den Strassen von Tunis. Die Zigaretten stammen aus Algerien; Schmuggelware.

An einem Tag Ende Mai 2011 kommt ein Mann mittleren Alters, greift sich eine Packung Marlboro, wirft einen Dinar hin – knapp 70 Rappen. Der Verkäufer weist ihn darauf hin, dass er das Päckchen für 2,5 Dinars verkauft. Der Kunde wird aggressiv, reisst ihm die Zigaretten wieder aus der Hand, haut ihm eine runter. Aufregung in der Strasse. „Weisst du nicht, mit wem du es zu tun hast?“, herrscht er ihn an und zieht seinen Ausweis vom Innenministerium aus der Westentasche. Der Zigarettenverkäufer duckt sich, schweigt. Rien à faire. „Gegen die Typen vom Innenministerium kommst du nicht an“, sagt er später dem Kulturschaffenden, „es ist besser, wenn du schweigst“.

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29. Mai 2011

Zarzis, Südtunesien. An der Küste weht eine leichte Brise. Es ist Sonntag Nachmittag. Spaziergang entlang dem Strand. Nach einer Reihe von Touristenhotels mit gepflegten Gärten folgt eine Zone mit privaten Häusern und Ferienwohnungen. Hier, so erklärt der tunesische Begleiter, haben zahlreiche Libyer ihre Familien in Sicherheit gebracht. Ab und zu soll es in Zarzis zu Zusammenstössen zwischen Ghadhafi-Anhängern und –Gegnern kommen.

Entlang dem Strand – oder genauer gesagt: auf dem Strand – ist eine provisorische Strasse aufgeschüttet worden. Ab und zu wird Bauschutt, werden Abfälle wild deponiert. Stört dies hier, an dieser schönen Meerlage niemanden? Schreitet die Stadtverwaltung nicht ein? Nein, sagt der Freund, jeder macht zurzeit was er will, es gelten keine Gesetze mehr. Höchst problematisch ist dies bezüglich Baugesetze: Die besonders Schlauen nutzen die Gelegenheit, um hastig ein Projekt zu realisieren, das klar gegen die Bauvorschriften verstösst.

Am Strand wie auch in der Stadt sind auffallend viele verschleierte Frauen zu sehen. Es sind teilweise Libyerinnen. Aber auch die Frauen von Zarzis bedecken sich wieder mehr. In der Region von Zarzis, so meint der Begleiter, könnte die islamistische Partei Ennahda bei freien Wahlen durchaus einen Drittel der Stimmen für sich gewinnen.

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7. Mai 2011

Rabat, am Abend. Auf der neu gestalteten Promenade entlang der Flussmündung des Bou Regreg findet ein Rap-Konzert statt. Tausende Jugendlicher beklatschen die lokalen Rap-Grössen frenetisch. Auch sonst herrscht in der marokkanischen Hauptstadt eine ausgesprochene friedliche und entspannte Stimmung. Nur ein kleines Grüppchen von Imamen hat am frühen Nachmittag vor dem Parlament lautstark auf sein Anliegen aufmerksam gemacht: Die Freiheit, die Freitagspredigten unabhängig von den Vorgaben des Ministeriums für religiöse Angelegenheit gestalten zu können. Der Kontrast zu den zahlreichen anderen arabischen Ländern, in denen Demonstrationen mit äusserster Härte unterdrückt werden oder wo gar bürgerkriegsähnliche Verhältnisse herrschen, ist eklatant. Marokko muss dem Beobachter aus dem Ausland wie ein Hort der Stabilität erscheinen.

Täuscht der Eindruck? Rabat ist nicht Marokko, und das marokkanische Regime hat eine grosse Meisterschaft entwickelt, gegen aussen eine schöne polierte Fassade zu präsentieren. Allein schon die riesigen Bidonville-Siedlungen zwischen Rabat und Casablanca weisen darauf hin, dass dieses Land eine andere, weniger präsentable Seite hat.

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Im Hafengebiet von Zarzis, ©Beat Stauffer

17.3.2011

Wo bleiben die Proteste der arabischen Massen gegen den Diktator Ghadhafi, der die Aufstände in seinem Land auf unvorstellbar brutale Weise niederschlägt? Ist das, was auf den Strassen von Misrata, Zawiah, Tripolis geschieht, nicht ebenso schlimm (oder schlimmer) als die Angriffe der Israelis auf Gaza?

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16.3.2011

Ghadhafi erklärt gegenüber Medien, Sarkozy sei verrückt. Man reibt sich die Augen. Und dennoch: Vielleicht hat der Herrscher von Tripolis, seinen rasch wechselnden Gemütsverfassungen zum Trotz, eine leise Ahnung davon, dass ihm die Felle davonschwimmen.

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23.2.2011

“Ghadhafi ist schlimmer als Hitler”, sagt mir der libysche Oppositionelle Idriss Boufayed am Telefon. Man könne ihn nur mit dem römischen Kaiser Nero vergleichen, der Rom in Brand setzen liess.

Nero oder Caligula? Ist der Mann noch bei Sinnen? Setzt er seinen diabolischen Plan um, sein Land, das nichts mehr vom “Grossen Führer” wissen will, mit in den Abgrund zu reissen?

In Gharian, rund 80 Kilometer südlich von Tripolis, sind am Nachmittag des 21. Februar acht Soldaten exekutiert worden, die sich geweigert haben, aufs eigene Volk zu schiessen. Der Bruder von I.B. hat die Leichen im Spital von Gharian gesehen.

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22.2.2011

Muammar Ghadhafi: “Frauen sind weiblich, und Männer sind männlich”. Und: “Frauen menstruieren einmal im Monat, während Männer, weil sie männlich sind, nicht menstruieren.”  M. Gaddafi, “Grünes Buch”, zitiert aus: Der Spiegel. Was soll man dazu sagen?

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15.2.2011

Die Probleme, die Berlusconi aufgrund seiner Beziehungen zur marokkanischen Tänzerin Ruby und seiner Interventionen bei der Polizei nun erwachsen, scheinen ihm allmählich über den Kopf zu wachsen. Gut so. – Erinnerungen an die heftigste Reaktion auf einen meiner Artikel, die ich je erlebt habe.

Am Flughafen Zürich, im Frühling 1998. Ein Marokkaner stürzt sich auf mich, will wissen, ob ich der Journalist sei, der die Ehre der marokkanischen Frauen in den Schmutz gezogen habe. Nur mit Mühe und Not gelingt es mir, der Wut des Mannes zu entkommen. Anlass: Mein Artikel über marokkanische Tänzerinnen in der Schweiz, veröffentlicht in der damaligen Weltwoche (mehr)…

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12.2.2011

“Les tyrans ne sont grands que parce que nous sommes à genoux”. Etienne de La Boétie, 1530 –1563, Freund von Michel de Montaigne.

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Demonstrationen in Tunis.                ©AFP

Demonstrationen in Tunesien                        ©AFP

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31.1.2011

In El Kef, einer Provinzstadt unweit der algerischen Grenze. Spannende Diskussionen mit Freunden von Mohamed T. über den jüngsten Umsturz in Tunesien. Später Fortsetzung der Gespräche bei einer ausgezeichneten Flasche Mornag, dazu Alpkäse, Fladenbrot und Merguez. 22 Uhr ist Ausgangssperre. R. macht kurz zuvor dennoch eine weitere Flasche auf. Heftige Diskussionen über den Islam – und insbesondere über die Frage, ob die Islamisierung des Maghreb von Gutem war oder nicht. Die Emotionen gehen hoch, und nur die Müdigkeit aller Beteiligten ermöglicht einen friedlichen Ausgang.

Um 23 Uhr stapfen Mohamed und ich zu Fuss durch die nächtliche Stadt, Ausgangssperre hin oder her.

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19.1.2011

Szene auf der Avenue Habib Bourguiba ©Hassen Boussaada

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17.1.2011

Tunis, im Hotel. Wie rasch man sich an Maschinengewehrsalven und an das Knattern von Helikoptern gewöhnt…


Ausgebrannte Autos in Le Kram                 © BST

15.1.2011

Flughafen Genf. Warten auf den Abflug nach Tunis. Bedauern, dass ich die Demonstration vom Nachmittag des 14. Januar verpasst habe. Tausende von aufgebrachten Menschen, die ihre Wut und ihren unbedingten Willen, endlich eine Änderung herbeizuzwingen, zum Ausdruck gebracht haben.

Was für ein Ereignis. Der Druck der Strasse hat ein selbstherrliches, arrogantes und korruptes Regime zu Fall gebracht. Der allmächtige Herrscher, der sein Volk während Jahrzehnten mit eiserner Faust regiert hat, muss fliehen, und mit ihm der verhasste Familienclan; wären sie geblieben, hätten sie damit rechnen müssen, von der aufgebrachten Menge gelyncht zu werden. Banges Warten, was nun geschehen wird.

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10.1.2011

“Ich hatte wohl unterschätzt, dss auch die mediale Klasse in ihren Gedankengängen von Gattern zulässiger und unzulässiger Denkfiguren eingezäunt ist.” Thilo Sarrazin, Interview mit der Weltwoche, 51/52.10

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3.1.2011

Der erste Arbeitstag. Ein strahlender Morgen. Die Bäume auf der Pfalz im gleissenden Licht. Ein unglaubliches Kontrastprogramm zur tristen Stimmung der vergangenen Tage. Ein gutes Omen für 2011?

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22.12.2010

“Während die Landeskirchen um Mitglieder kämpfen, suchen sich viele Menschen aus religiösen Versatzstücken Lebenshilfen für den Alltag zusammen.” Ein Zitat aus dem Editorial des aktuellen Magazins der Uni Zürich zum Thema: “Was wir glauben. Religion und Theologie heute”. Wer schon mal in eine Sendung mit dem “Lebensberater” Mike Shiva gesehen hat, weiss, wovon die Rede ist.

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19.12.2010


Eine Podiumsdiskussion über den Film “Des Dieux et des Hommes”, in dem es um Trappistenmönchen in Algerien geht, die in den 90-er Jahren brutal ermordet worden sind. Auf dem Podium ein Mönch, eine grüne Grossrätin und ein Künstler. Die Diskussion ist nicht sehr ergiebig. Die Grossrätin berichtet von einer Reise nach Algerien und dem Treffen mit einem hochrangigen algerischen Funktionär. Dieser spricht sie auf die Abstimmung über die Minarett-Initiative an. Sie habe ihm gesagt, dass sie sich für die Schweiz schäme, sagt die Politikerin. Die Frage, wie es in Algerien um die Religionsfreiheit steht und wie es Christen in Algerien geht, scheint bei dem Gespräch kein Thema gewesen zu sein.
Erstaunlich, ging es doch im Film um die Präsenz von Christen in der islamischen Welt, um Formen des radikalen Islamismus, um die leidvolle Geschichte Algeriens.
Wer es wissen will, kann es leicht in Erfahrung bringen: In Algerien wird die Konversion zum christlichen Glaubens mit schweren Strafen geahndet. Aus diesem Grund müssen sich die paar tausend christlichen Algerier in privaten Räumen versammeln. Vielleicht hätte der algerische Funktionär dazu befragt werden können. Aber offensichtlich hat schien dieser Punkt der grünen Grossrätin unerheblich im Vergleich zum Verbot von Minaretten.

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1. 12. 2010

„Welcher Staubsauger passt zu mir?“ Diese Frage, in der ent- sprechenden Abteilung eines grossen Warenhauses gut sichtbar angeschlagen, habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie gestellt. Vielleicht müsste ich einmal in mich gehen, mich aus der Tretmühle des Alltags befreien, tief durchatmen – und mir vornehmen, diese ganz persönliche Frage endlich zu beantworten.

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15.11.2010

Necla Kelek an der Buchmesse in Basel. Eine beeindruckende, starke Frau, die sehr genau weiss, weshalb sie die Errungenschaften der europäischen Moderne für sich reklamiert. Errungenschaften, die gewisse Zeitgenossinnen und –genossen, ihrem Verhalten nach zu urteilen, nicht unbedingt als verteidigungswürdig erachten. Keleks Einsatz zur Bekämpfung von Zwangsehen und anderen Formen patriarchalischen Denkens ist bewundernswert; mehr als einmal musste sich die Autorin vor Übergriffen und Drohungen erboster Landsmänner in Schutz bringen.

Dennoch bleibt bei einigen ihrer Thesen ein gewisses Unbehagen. Einige der Stellen aus „Himmelsreise – Mein Kampf mit den Wächtern des Islam“, die sie vorgetragen hat, wirken recht undifferenziert und mit grobem Pinsel gezeichnet. Liegt es daran, dass sich die Soziologin in Gebiete vorgewagt hat, die nicht die ihren sind: Theologie, Kulturgeschichte?

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13.11.2010

“Es wäre an der Zeit, sich von der Rhetorik zu verabschieden, wonach das einvernehmliche Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Räumen und Zeiten nur durch die Böswilligkeit xenophober Mächte verhindert wird. Deren Auftreten ist eher ein Symptom für Ängste, Versäumnisse und Verunsicherungen.”

Wolfgang Müller-Funk, Professor für Kulturwissenschaften an der Universität Wien (NZZ, 12.11.2010)

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11.11.2010

„Die aktuelle Islam-Debatte im Westen ist primitiv. Unsere Probleme bestehen doch nicht aus Moscheebauten, Minaretten oder Kopftüchern. Es handelt sich um eine Phantomdebatte, an den eigentlichen Problemen wird vorbeidiskutiert. Wir müssen Massnahmen ergreifen, um die unbestrittenen, einmaligen Vorzüge der westlichen Zivilisation zu verteidigen, und dabei die Herzen der moderaten Muslime gewinnen, nicht aber Hysterie und Misstrauen streuen.”

Der amerikanische Islamkritiker Daniel Pipes (NZZ, 11.11.2010)

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17.10.2010

Multikulti sei “absolut gescheitert”, gibt Angela Merkel zu Protokoll. Nun: Ganz so schlimm ist es wohl doch nicht. Als einer, der schon vor zehn Jahren vor dem blinden Glauben an die Ideologie des Multikulturalismus gewarnt und auf Widersprüche hingewiesen hat, möchte man der Kanzlerin zuflüstern: Bitte nicht schwarz-weiss malen. In gewissen Bereichen funktioniert “Multikulti” durchaus. Umso wichtiger ist auf, auf Probleme und Schwachstellen hinzuweisen. Nur so wird es gelingen, den Grundgedanken, dass ein friedliches Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung möglich ist, zu retten. Er ist es wert.
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6.10.2010

Marrakesch. Zu Besuch bei Amin und Safia und ihren Kindern. Safia trägt seit kurzem ein Kopftuch; ich halte mich nicht dafür, mich zu erkundigen, weshalb die Lehrerin aus gutem Haus dies tut.
Amin und ich trinken Bier und Wein, als wäre dies die selbstverständlichste Sache der Welt. Gute Gespräche. Gegen Mitternacht will mir Amin seinen Garten zeigen. Er besteht darauf, mir einen Granatapfel und eine Zitrone zu schenken, dazu Olivenöl vom Hof seiner Familie. Ich bin einmal mehr berührt von der Gastfreundschaft von Amin und Safia. Auf bald einmal in der Schweiz?
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30.9.2010

Basel, Greifengasse. Feierabend. Ein junger, kräftiger Mann in Bauarbeiterkleidung geht in Richtung der Mittleren Brücke an mir vorbei. Sein Gesichtsausdruck ist gelöst, freudig. Er strahlt.
Staunen. Gibt es das noch? Menschen, die nach der Arbeit so gut drauf sind, dass sie strahlen? Oder freut er sich ganz einfach auf sein Wochenende?
So oder so: In einer Zeit, in der Gesichter meist von mürrischer Verdrossenheit, von Langeweile oder Coolness geprägt sind, ist eine solche Begegnung schon fast ein Ereignis.
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27.9.2010

Die kantonale Initiative zur Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Ausländer wird im Kanton Basel-Stadt mit rund 81 % verworfen. Das ist eine überdeutliche Absage des Souveräns. Die Frage muss erlaubt sein: Wie weit haben sich die links-grünen Parteien, welche diese Initiative lanciert haben, von ihrer eigenen Basis entfernt? Die hat sie in dieser Sache offensichtlich im Regen stehen lassen – ganz zu schweigen von den bürgerlichen Wählern. Vielleicht würde es sich lohnen, die Stimmung in der breiten Bevölkerung wahrzunehmen und politisch klug darauf einzugehen, statt sich in erster Linie an ideologischen Grundpositionen zu orientieren.
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23.9.2010

«Wir haben einen neuen Strukturwandel der Medien, der gekennzeichnet ist durch eine Krise der Bezahlmedien. Wir haben einen Ressourcenverlust im Journalismus, einen Reputationsverlust des Berufs, und wir haben, insbesondere bei Jugendlichen, eine starke Tendenz, Gratismedien zu konsumieren. Die Jugendlichen haben Schwierigkeiten, Gratismedien und Bezahlmedien zu unterscheiden. Der Journalismus als Expertenkultur ist in Gefahr.»

Soziologieprofessor Kurt Imhof, NZZ, 23.09.2010

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20.9.2010

“Die richtige Seite ist nicht links, nicht rechts oder irgendwo dazwischen. Die richtige Seite ist die Seite der Mutigen und derjenigen, die es sich nicht bequem oder ideologisch einfach machen. Und es ist immer die Seite der Opfer und nicht der Täter.”

Frank Urbaniok, Gerichtspsychiater, Zürich (Das Magazin, 18.9.2010)

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13.9.2010

In der Stadt Zürich gibt es seit kurzem mehr fremdsprachige als Deutsch sprechende Kinder. Diese Meldung, die der Tages-Anzeiger kürzlich verbreitet hat, dürfte einige Leserinnen und Leser irritieren, auch wenn diese Statistik allein noch nichts über Verhalten und Lernerfolg der betreffenden Jugendlichen aussagt.

Wesentlich mehr Sprengstoff birgt ein anderer Aspekt des erwähnten Artikels. In der sogenannten Sek C, der untersten Leistungsstufe der Sekundarstufe 1 in Zürich, stammen 80,4 % aller Schüler aus einem fremdsprachigen Elternhaus. Umgekehrt sprechen 83,9% aller Schülerinnen und Schüler, die in Zürich eine Mittelschule besuchen, Deutsch als Muttersprache.

Das ist faktisch eine Segregation, die leicht zugespritzt, an Verhältnisse in ehemaligen Kolonien oder “Départements outre-mer” erinnert: So ähnlich hat es wohl im Algerien der 50-er Jahre ausgesehen, als Camus das Gymnasium besuchte. Unnötig zu erwähnen, dass dieses Auseinanderklaffen der Bildungskarrieren von Jugendliche in der Schweiz politisch enorm viel Zündstoff birgt. Täuscht der Eindruck, oder meidet es die Politik in der Schweiz, dieses Problem ernsthaft aufzugreifen?

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3.9.2010

“Schreiben kann man nur, indem man alles gibt, was man hat, gleich, ob man es für ein Buch oder eine Kritik oder ein Vorwort oder eine politische Glosse tut.”

(Karl-Markus Gauss: Im Wald der Metropolen. Zsolnay-Verlag 2010)

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2.9.2010

“Das sittliche Deutschland kann jetzt mit den Vokabeln der Unerträglichkeit und der weit übertretenen Grenzen und roten Linien versuchen, Sarrazin mundtot zu machen. In diesem Milieu der Korrektheit, zu dem auch das politische Establishment zu zählen ist, gehört dies zum Alltag. [...] Freilich hat sich unseres Wissens bis jetzt keine dieser führenden politischen Figuren ernsthaft mit den tiefer liegenden Fragen auseinandergesetzt, die Sarrazin schon seit längerer Zeit aufwirft.” (Jürg Dedial, NZZ, 2.9.2010)

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5.8.2010

“Der Fundamentalismus ist die am besten an die Globalisierung angepasste Form des Religiösen, weil er seine eigene Dekulturation akzeptiert und daraus seinen Anspruch auf Universalität ableitet.”

(Olivier Roy, aus: Moderne, Säkularisierung und die Rückkehr des Religiösen)

Eine wichtige Erkenntnis, in einen einzigen Satz gefasst: Was will man mehr? Vielleicht sollte man eben doch mehr Bücher lesen, statt sich dem “Konsum” aktueller Medien zu widmen.