Trauriges Kapitel

Der Papst reist nach Algerien. Kaum jemand weiss mehr, dass Augustinus, einer der wichtigsten Kirchenväter, Bischof von Hippo Regius war, dem heutigen Annaba. Er war höchstwahrscheinlich ein romanisierter Berber, sprach und schrieb auf jeden Fall Lateinisch. – Das frühe Christentum war stark von Nordafrika geprägt; dort fanden auch wichtige Konzile statt, etwa dasjenige von Karthago im Jahr 397. – Eine verschwundene Welt; das Christentum konnte der Islamisierung, die im Maghreb ab dem Jahr 660 stattfand, nicht standhalten. – Tempi passati. Wichtig für uns Menschen im 21. Jahrhundert ist ein anderer Aspekt: Wie kommt es, dass ein Land, das direkt am Mittelmeer liegt und eine reiche christliche Vergangenheit hatte, heute punkto Religionsfreiheit derart restriktiv ist? Wie kann es sein, dass algerische Muslime in Europa hunderte von Moscheen gründen, Algerien faktisch aber keine Neubauten von Kirchen zulässt, selbst bei Renovationen von Kirchen aus der Kolonialzeit komplizierte Bewilligungsverfahren auferlegt und Konversionen von Algeriern unter Strafe stellt? Das darf doch nicht sein im 21. Jahrhundert! So bleibt Religionsfreiheit ein inhaltsloser Begriff. Vielleicht wäre es gut, Papst Leo würde den verantwortlichen Minister der algerischen Regierung auf diesen Sachverhalt hinweisen und ein paar Forderungen anbringen. – Mehr über den Papstbesuch findet sich in der heutigen NZZ.

Foto: ©Beat Stauffer, 2006 in Oran, Kirche Notre Dame de Santa Cruz

https://www.nzz.ch/international/ist-der-papst-mutig-genug-leo-reist-nach-algerien-wo-die-christen-leiden-ld.1933393?