Was zurzeit in Iran passiert, ist unsäglich und erschütternd. Das vollkommen abgewirtschaftete Mullah-Regime reagiert mit brutaler Härte auf den Aufstand von Bürgerinnen und Bürger, die nicht mehr von einem greisen Geistlichen und unfähigen Politikern regiert werden wollen. Allerdings ist die Ratlosigkeit gross, wie der Westen, wie man als Einzelner das iranische Volk in diesem Moment unterstützen könnte; die Angst vor einem Chaos im gesamten Nahen Osten nach einem Fall des Mullah-Regimes ist gross. – Unerträglich ist aber auch das Schweigen der meisten derjenigen, die im Fall des – ebenfalls furchtbaren – Gaza-Kriegs Woche für Woche auf die Strasse gegangen sind, an den Unis demonstriert und Lehrveranstaltungen gestört haben. Leider drängt sich der Verdacht auf, dass die Aufstände im Iran nicht ins Weltbild der Gaza-Aktivisten passen: Das iranische Regime gehört zu den engsten Verbündeten der Hamas, und die Täter sind selber (schiitische) Muslime.Mit diesem Thema befasst sich auch der intelligente Kommentar von Peer Teuwsen in der NZZaS. Hier ein Auszug: „Geht es den vielen, die jetzt so fürchterlich schweigsam sind, gar nicht um Frieden, sondern um die Durchsetzung ihrer ideologischen, nicht selten antisemitisch gefärbten Weltsicht? Kann es sein, dass es ihnen mehr um das Ausleben und die Befriedigung des eigenen Hasses als um die Befriedung der Welt geht? Ist es so vielen egal, wenn Muslime Musliminnen töten, weil die Täter keine Juden sind? Kann es gar sein, dass man sich so wenig darum kümmert, weil die Mullahs ein Erzfeind der bei nicht wenigen westlichen Linken immer noch verhassten USA sind? Das darf doch alles nicht wahr sein.“
https://www.nzz.ch/feuilleton/iran-wo-bleibt-greta-thunberg-ld.1921072