Marokko – arabisch «der äusserste Westen» – ist das am besten regierte Land des Maghreb. Doch ungelöste Probleme bedrohen längerfristig die Stabilität und den gesellschaftlichen Frieden. Die bis anhin nur aufflammenden Proteste der Jungen sollten ernst genommen werden.
Wer am Flughafen von Marrakesch zum ersten Mal marokkanischen Boden betrifft, ist meist überwältigt von der grosszügigen Architektur und der perfekten Organisation. Bei der Fahrt in die Stadt entführen die prachtvollen, von Palmen gesäumten Alleen, die sorgfältig gepflegten Parkanlagen und die luxuriösen Hotels die fremden Besucher sogleich in eine orientalische Traumwelt.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille; eine schön hergerichtete Fassade für zahlende Besucher; nicht anders als in den meisten Touristenorten mit internationalem Ruf. Doch es gibt auch ein vollkommen anderes Marrakesch. Es ist in Teilen der Altstadt, vor allem aber in den ausgedehnten Vororten zu finden, in denen Hunderttausende leben. Etwa in Sidi Youssef Ben Ali.
In Sidi Youssef Ben Ali ist wieder Ruhe eingekehrt. Nichts erinnert mehr an die beiden Nächte Anfang Oktober, als das ärmliche Vorstadtquartier von Marrakesch brannte. Container und Abfallbehälter wurden angezündet, Barrikaden errichtet, Bankautomaten zerstört, Geschäfte geplündert. Heute, mehrere Wochen danach, zeugen nur noch wenige Spuren von den gewaltsamen Unruhen, die die Behörden in Marrakesch in Alarmstimmung versetzt haben.(weiter in der NZZ vom 22.12.2025; Foto ©BST)