Smartphones

An der Geschichte über den Zusammenhang von Smartphones und Migration ist viel Wahres dran. Smartphones erleichtern die irreguläre Emigration enorm, und Videoclips und Werbung vermitteln zweifellos ein Zerrbild eines hedonistischen Europa, an dessen „Party“ die jungen Afrikaner – wer wollte es ihnen verübeln – teilhaben wollen. Zumindest im Maghreb spielt auch eine entscheidende Rolle, dass die junge Generation ihr Vertrauen in die Politik vollkommen verloren hat. Sie glaubt nicht mehr daran, dass sich ihre Gesellschaften unter Druck von unten ändern und lebenswerter gestalten lassen, schon gar nicht innert kurzer Zeit. Viele optieren deshalb fürs „Abhauen“; lieber auf dem Meer dem Tod ins Auge blicken als in einem trostlosen Kaff lebendig begraben werden, lautet das Motto. Dabei werden allerdings auch nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägungen vorgenommen: Trotz aller Probleme, die mich in Europa erwarten werden, habe ich dort – theoretisch – eine grössere Chance, als wenn ich in meinem Kaff bleibe. Dass diese Rechnung häufig nicht aufgeht und dass junge Migranten in Europa oft nicht nur materiell, sondern auch psychisch verelenden, steht auf einem anderen Blatt.